Psycho-Frodos Haarfetisch – MANIAC-Review

Maniac 3 Hoch

Maniac 3 HochFilme über Serienkiller gibt es schon viele. Komplette Filme in Ego-Perspektive (Point-of-View-Shot) , einem Videogame ähnlich, dagegen eher wenige. Franck Khalfoun packt diese beiden Haupt-Zutaten in den Bottich, fügt etwas sichtlich angestaubten 80er-Charme hinzu und garniert das Ganze mit einer Liebesgeschichte.
Aber first-things-first, die Story: Frank (Elijah Wood) ist Inhaber eines geerbten Schaufensterpuppen-Ladens. Mehr aus Nostalgie und Verbundenheit setzt er sie instand, pflegt und sammelt sie. Soweit so skurril, hat Frank doch einen klitzekleinen Fehler: Er hat ein Problem mit Frauen. Seine gespaltene Persönlichkeit bringt ihn dazu, Frauen im Internet zu suchen, ihnen nachzustellen, sie zu töten und ihre Haare als Souvenir für seine leblosen Shop-Bewohnerinnen mitzunehmen. All das um ihren Anblick, ihre Schönheit für sich zu konservieren, ganz so wie es Schaufensterpuppen tun. Doch dann taucht die Fotokünstlerin Anna (Nora Arnezeder „Safe House“) vor seinem Laden auf und interessiert sich für Franks Arbeit. Er merkt, dass sie beide eine ähnliche Sicht auf die Dinge und die Vergänglichkeit haben. Doch Frank kann seine Vergangenheit nicht so einfach abschneiden, wie den Skalp einer seiner Opfer.

Zunächst die schmutzige Seite der Medaille. Der Film bedient sich sicherlich schon etwas altmodischer Themen wie dem Serienmörder, dem es nach jungen weiblichen Dingern gelüstet oder dem ödipalen Hintergrund des Psychopathen. Auch die aufflammende kleine Liebesgeschichte des Mädchens (leichter französischer sexy Akzent, was sonst?), welches die Hoffnung auf Heilung weckt, ist wahrlich oft genug erzählt worden. Auch Ajas und Khalfoun ändern daran nichts grundlegend. Soweit, so „dejavù“.

Und doch hat dieser Film eine grandiose Intensität, die den Zuschauer zum Opfer der Handlung und gleichzeitig zum Täter macht. Denn diese gnadenlose Sicht aus Franks Augen lässt einen kaum entkommen und fesselt, so fürchterlich es sein mag. Zu einer positiven Darstellung der Gräueltaten lässt sich der Film nicht hinreißen. Mitleid und Grauen erfüllen den geneigten Zuschauers und offensichtlich auch Frank selbst immer wieder. William Lustigs Original tut dies nicht.

Dennoch löst sich die Sicht ab und zu von Frank, nämlich dann, wenn er in seinen Wahn verfällt und sich nicht mehr unter Kontrolle hat. Eine Art „Nahtoderfahrung“, die dann seine gespaltene Persönlichkeit zeichnet.

Nichtsdestotrotz hält sich der Gore-Faktor in Grenzen. Dumpfe Ekel-Szenen a la „SAW“ und „Hostel“ sucht man vergeblich in dem Werk. Eher sind sie finale Höhepunkte von Franks Wahnsinn. Der Schauer wird viel mehr mit der dezenten Geräuschkulisse (abgesehen von Migräne-Anfällen, Soundsystem also nicht zu laut aufdrehen;)) und Franks Off-Stimme erzeugt. Wer das Original kennt, wird schnell feststellen, dass das Remake wesentlich mehr aus der Figur Frank macht, da er wesentlich plastischer und nicht so seelenlos daherkommt. Gerade die scheinbar erlösende Beziehung zu Anna ist deutlich feiner gestrickt als es das Original von William Lustig vermag. Und dennoch gipfelt es in einem furiosen Finale. So stört auch nicht weiter der ödipale Hintergrund von Franks Störung, der immer wieder durch Rückblenden angedeutet wird. An der Stelle ist wiederum das Original besser, da es dies wesentlich dezenter andeutet als Khalfouns Holzhammer-Methode.

Auch die Stilmittel wie Farbgebung, perfekte Kameraarbeit und wenige (nicht sichtbare Schnitte) sind von hoher Qualität und haben Widererkennungswert. Allein schon der Kleidungsstil von Frank schafft es die Brücke in die 80er des Originals zu schlagen und Wood trotzdem in der Foto-Ausstellung von Hipster-LA anno 2012 nicht fehl-am-Platz wirken zu lassen. Chapeau! Und wer in Elijah Wood immer noch den tapferen kleinen Hobbit sieht, sollte diesen Film durchaus schauen. Seine großen Augen staffieren auch einen Psychopathen perfekt aus.

Dieser Film hinterlässt Gänsehaut, erzählt ruhig und versteht Spannung zu halten. Und die Innovation in Sachen Zuschauerbindung (NICHT in Hinblick auf ein Bonuskartensystem, das „SAW“ und „Paranormal Activity“ inzwischen einführen sollten) kommt hier wahrlich nicht zu kurz. Auch wenn er das Rad nicht neu erfindet, die Perfektionierung des Originals (inklusive Zitat des originalen VHS-Covers) ist fast gelungen. Herrlich verstörend.

P.S.: Die FSK 18 Version im Handel ist um ca. 2 Min geschnitten, hauptsächlich explizite Darstellung (Schnittberichte.com)

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